Campfire in Dortmund

Die Premiere des Campfire-Festivals an der TU Dortmund Anfang September wird sicherlich nicht wegen des guten Wetters in Erinnerung bleiben. Andererseits brachten matschige Wiesen und regengrauer Himmel aber schnell die Stimmung eines typischen Festivals auf.

22 große wie kleine Zelte, eine beeindruckende Bühne und das vielfältige Programm hatten das Potenzial, viele Menschen zu erreichen. Auch den Willkommensstätten bot das bunte Angebot viele Anknüpfungspunkte.

Die Gastgeber vom Institut für Journalistik und dem Recherchebüro Correctiv richteten sich in erster Linie an (angehende) Medienvertreter_innen, jedoch weckten die Workshops, Vorträge und Diskussionen auch das Interesse von Menschen aus anderen Bereichen. Zum Beispiel spielten die viel diskutierten Fake-News an mehreren Stellen eine große Rolle. Da wir uns in unserer Arbeit auch immer wieder mit diesem Themenkomplex auseinadersetzten (müssen), waren wir dort natürlich mit Eifer dabei. Selbstverständlich wurden wir auch immmer dann sehr hellhörig, wenn es um die generelle Vermeidung von Ausschlüssen und die Beteiligung von Geflüchteten ging. 20170908_170818

Journalisten erzählen

Eindrucksvoll wie tagesaktuell waren die Erzählungen von syrischen und iranischen Journalisten über ihren beruflichen und gesellschaftlichen Neuanfang in Deutschland. Brisant war der Bericht eines türkischen Reporters über die schwindende, beinahe kaum noch vorhandene Pressefreiheit in seinem Heimatland.
Gerne würden wir darüber Details erfahren und natürlich interessiert uns auch die Meinung der Auftretenden zu den Themen, die die Willkommensstätten vordergründig umtreiben.
So wurden Kontakte geknüpft und Verabredungen getroffen – auch um das eigene Interviewprojekt „Wie möchte ich gerne behandelt werden“ mit weiteren spannenden Persönlichkeiten anzureichern.

Ein Magazin für den Dialog

Ein weiteres Highlight für uns: Das Magazin „here in Bochum“, dessen Redaktion von Geflüchteten betrieben wird. „Mit geflüchteten Menschen reden – nicht nur über sie“, lautet das Credo – wodurch sie uns natürlich gleich am Haken hatten. Es richtet sich gleichermaßen an Menschen mit und ohne Fluchterfahrung und soll zur schriftlichen Kontaktaufnahme dienen, Kommunikationsbarrieren aufbrechen und schließlich auch den direkten Dialog zwischen den Menschen fördern.
Nachdem „here in Bochum“ nun schon ein Jahr besteht, werden wir die Entwicklung des Magazins mit großem Interesse weiterverfolgen.
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Der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. war ebenfalls vertreten. Dessen Dortmunder Ableger „samo.fa“ präsentierte seine Vernetzungsarbeit, die er für Projekte von, für und mit Geflüchteten betreibt. Auch hier konnten wir spannende Gespräche führen und beschlossen in Zukunft den Kontakt zu intensieiren.

Für manche Barriere, für andere ein Glücksfall.

Wenn die Veranstaltung einen negativen Aspekt hatte, dann das geringe Besucherinteresse. Höhepunkte wie die Podiumsdiskussion mit Dunja Hayali waren zwar noch relativ gut besucht, bei anderen Veranstaltungen sprachen die Referent_innen quasi ohne Publikum. Das ist einerseits natürlich sehr schade, da die Organisation sicher mehr Zuwendung verdient gehabt hätte, andererseits genossen die Anwesenden natürlich die Chance, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine, Institutionen und Projekte sich richtig Zeit für einen nehmen konnten.

Für die Willkommensstätten war es jedenfalls sehr gewinnbringend und wir wünschen den Organisationsteam, dass beim nächsten Mal das Wetter auch besser mitspielt.