Erfolgreich vernetzt

Der Begriff Networker ist ja inzwischen schon fast zu einem Schimpfwort verkommen. Was aber daran schlimm sein soll, andere Institutionen sowie Projekte und vor allem die Menschen dahinter kennenzulernen, erscheint mindestens schleierhaft.

Das perfekte Argument für den Blick über den Tellerrand der eigenen Arbeit lieferte zuletzt ein Netzwerktreffen, zudem der Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie und das Anne Frank Zentrum einluden. Im Kölner NS-Dokumentationszentrum trafen sich Menschen aus unterschiedlichsten Bildungskontexten und aus nahezu allen Bundesländern, um über Jugendbeteiligung in der historisch-politischen Bildung zu diskutieren.

Für die Willkommensstätten war Dennis Grunendahl dabei. Er genoss neben den Vorträgen und Workshops vor allem die Möglichkeit, sich mit vielen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.
Hier ist nicht der Raum, um die ganze Tagung zu beschreiben und zu evaluieren, aber ein paar Gedanken sollten durchaus nicht unausgesprochen bleiben.

Ehemalige Gefängniszellen hinterlassen Eindruck

Diskussionsrunde mit jungen Menschen über Teilhabe an Geschichtsvermittlung. Foto: Projekt Heroes

Diskussionsrunde mit jungen Menschen über Teilhabe an Geschichtsvermittlung. Foto: Projekt Heroes

Zum Beispiel war die Führung durch die ehemaligen Gestapo-Gefängniszellen innerhalb des EL-DE-Hauses sehr eindrucksvoll. Die physische Enge, die lesbaren Spuren der Verzweiflung und nicht zuletzt auch das vermittelte Wissen über die Verbrechen, die sich hier abspielten, berühren und fordern. Ganz sicher können sie auch überfordern. Insbesondere, wenn Menschen unvorbereitet diesen Gewaltort besuchen und hier mit Eindrücken und ggf. eigenen Erinnerung konfrontiert werden, die man (insbesondere vor Fremden) nicht einordnen oder ausdrücken kann.
Es war überaus spannend zu erfahren, wie die Kolleginnen und Kollegen mit diesen Herausforderungen umgehen.

Heimat ohne Migration?

Eine andere Führung fand unter freiem Himmel statt. Hier zeigte uns ein Kollege von DOMiD Schauplätze und Spuren migrantischer Partizipation an Politik und Alltag aus über 1000 Jahren Kölner Stadtgeschichte.
Der Rundgang war nicht nur unterhaltsam wie informativ, sondern er inspirierte den einen oder anderen Teilnehmenden sicher dazu, auch in anderen Städten mal darauf zu achten, wie weit es mit den heimischen Landmarken, Symbolen und identitätsstiftenden Sagen eigentlich her wäre, die wenn die menschliche Mobilität als Grundbedingung nicht existierte.

Spuren von Migrationsgeschichte in der Kölner Innenstadt: Ein Rundgang mit DOMiD

Spuren von Migrationsgeschichte in der Kölner Innenstadt: Ein Rundgang mit DOMiD


Außerdem wird die Begegnung mit den jungen Männern von Heroes die Willkommensstätten ganz sicher noch länger beschäftigen. Sie erzählten von ihrem Duisburger Projekt und welches soziales Empowerment sie daraus ziehen. Spannend war für uns speziell ihre Meinung zur mangelnden migrantischen Teilhabe an der Geschichtsvermittlung, bei der sie immer wieder teils unbewusste Ausschlüsse durch Lehrerinnen und Lehrer, teilweise sogar konkreten Rassismus erleben.
Ganz sicher werden wir diesen Erstkontakt bei nächster Gelegenheit vertiefen.

Es ist beinahe unfair, hier die vielen anderen Menschen und Projekte des Treffens unerwähnt zu lassen. Da man dafür aber ein kleines Buch schreiben müsste, bleibt es erst einmal bei diesen Beispielen.

Wir danken jedenfalls den Kolleginnen und Kollegen vom Verein Gegen Vergessen Für Demokratie und dem Anne Frank Zentrum sowie dem Gastgeberteam vom Kölner NS-Dok.

Wir haben uns sehr über die tolle Organisation, das spannende Programm und die vielen netten Menschen gefreut!