Erinnerungskultur und Fluchterfahrung – Die Geschichte der vielen Einzelnen hören und zulassen

Nun mit einigem Abstand zu unserer Tagung Erinnerungskultur und Fluchterfahrung möchten wir nochmal allen Teilnehmer_innen für die wertvollen Diskussionen und Beiträge danken. Wir sind sehr glücklich über die Rückmeldungen, wie auch über die bleibenden Eindrücke, die wir persönlich gewinnen konnten.

Das Themenfeld Flucht mit der Welt der Gedenkstätten in Einklang zu bringen und auf mögliche Überschneidungen zu befragen ist eine Mammutaufgabe. Die aktuellen politischen Diskussionen zum Thema bewegen sich in einem emotionalen Klima, in dem selbst universelle Menschenrechte zur Disposition gestellt werden und die Frage nach dem Willkommensein und – heißen immer wieder durch die gegebenen Strukturen relativiert wird.
Auch die Erinnerungskultur ist in Deutschland als Projekt der Nachkriegsgesellschaft gewachsen und stellt in ihrer institutionalisierten Form einen Raum dar, der großen Teilen der Einwanderungsgesellschaft verschlossen bleibt.

4000 x 3000 px Beitrag Poetry Slam

Für Auflockerung sorgte der Poetryslamer Kristian Schmidt

Es freut uns, dass sich – vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen im gesellschaftlichen Diskurs um das Thema Flucht und Migration – zu der Frage nach der generellen Legitimität einer kulturellen Öffnung Einigkeit zeigte und wir uns offen auf folgende Leitfragen konzentrieren konnten:

  • Wie überwindet man Sprachbarrieren?
  • Ist es möglich und nötig, alle Besucher_innen gleichermaßen zu erreichen?
  • Welche Chancen sehe ich – wo wünsche ich mir Hilfe

In den Workshops und Diskussionen erlebten wir das breite Spektrum der Perspektiven und Zugängen, die unsere Referentinnen und Referenten mitbrachten. Den Fragen konnten wir uns so mit verschieden Methoden annähern. Es gab persönliche Einblicke in die Perspektiven von Menschen mit Fluchterfahrungen, Berichte aus der Gedenkstättenlandschaft und die ersten pädagogischen Konzepte, die sich auf den Prüfstand stellten und die dann mit emotionalen, praktischen, sowie theoretischen Zugängen befragt wurden. Diese Impressionen bilden einen kleinen Ausschnitt der zentralen Thesen und Diskussionsrichtungen:

Ähnliche Geschichten schaffen Gemeinsamkeiten.“ – Workshopteilnehmer_in

Eine Person – kurze persönliche Blitzlichter! – besser als faktenüberladene Vorträge“ – Workshopteilnehmer_in über Methoden von „Life back Home“

Definition von Willkommensstätten → Begegnungsorte die Themen bieten, die es erleichtern über Demokratie zu reden“ – Diskussionsbeitrag

Macht die Einbindung von Prekarisierten (Asylverfahren) Sinn?“ – Referent_in

Wir glauben, dass die Tagung dabei geholfen hat, einige Dinge herauszuarbeiten. Von Irrwegen wie „Wir bauen uns eine Zielgruppe“ oder der „Verwässerung“ der Gedenkstättenpädagogik durch Sonderangebote, hin zu fruchtbaren Ansätzen: An Orten der Gewalt mit Werkzeugen der Historiker die Geschichte der vielen Einzelnen hören und zulassen. Die Tagung war aus unserer Sicht ein wertvoller Moment der Reflexion und der Vernetzung.

Wir möchten Sie einladen, mit uns in Kontakt zu treten und die Inhalte der Tagung auf das nächste Level zu heben.