Berlin Calling – Von Ausstellungen und Führungen

Berlin – ist nicht nur das politische Herz der Bundesrepublik, das immer wache Berghain und der verrufene Görlitzer Park, sondern beherbergt Gedenkstätten, spannende Projekte und Menschen, die sich für das einsetzten, was ein ehemaliger Geschichtslehrer an jenen Tagen in seiner Dresdner Selbstoffenbarung so alternativlos angriff.

Beginnen wir mit den Orten, die wir – Marc und Tim – als Gedenkstätten-Greenhorns besucht haben, um unser Feld besser kennen zu lernen. Im Haus der Wannsee-Konferenz erzählten uns die „text-getäfelten“ Wände in den minimalistisch eingerichteten Räumen der alten Fabrikantenvilla die Geschichte von Antisemitismus und Rassismus, der Konferenz und deren Folgen.

Während in der Sonderausstellung „Massenerschießungen. Holocaust zwischen der Ostsee und dem Schwarzem Meer“ (Topografie des Terrors) Einzelschicksale an monolithischen Stelen mahnenden Schatten in Raum und Gegenwart warfen; gebettet in einen Rahmen aus historischen Fakten und geografischen Kontexten.

Topographie des Terrors

Topographie des Terrors

Beide Ausstellungen bieten thematische Zugänge zu regionalen und familiär-biographischen Geschichtsnarrativen der Adressatengruppe. Ein Gedanke ließ sich jedoch nicht zur Seite legen: Unsere Adressat*innen stehen in Räumen, die behangen sind mit Bildern und Texttafeln, deren sprachliches Niveau wohlmöglich Menschen ausschließt – eine Führung durch geschulte Multiplikator*innen scheint unumgänglich.

An der FU Berlin besuchten wir die Podiumsdiskussion „Schulische und außerschulische Bildung im Kontext von Flucht und Migration“ – und auch wenn es zeitlich bedingt nicht zu einer Diskussion kam, offenbarten die Impulsvorträge der Diskutant*innen anregende Inhalte für unser Themenfeld, von den Herausforderungen der Bildungsintegration, über die Anforderungen der politischen Bildung bis zu Erfahrungsberichten aus Berliner Willkommenssklassen und Multiplikator*innenschulungen. Einen Gedanken möchte ich gesondert hervorheben: Ina Bielenberg vom Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten betonte die Aufgabe, nicht nur Angebote für, sondern Angebote mit Geflüchteten zu gestalten.

Führen wir beide Gedanken – die Führungen und die Angebote mit Geflüchteten – zusammen kommen wir zu: Multaka (arabisch: Treffpunkt) – Führungen von Geflüchteten für Geflüchtete. Im Deutschen historischen Museum begleiteten wir den Guide Yasser Almaamoun bei einer arabischsprachigen Führung durch die deutsche Geschichte und erlebten, wie die Geschichtsnarrative des Museums mit denen der Geflüchteten verknüpft wurden und Exponate unerwartete Zugänge offenbarten. So wird die deutsche Geschichte ohne Sprachbarriere zugänglich, die deutsche Gesellschaft verständlicher und vor allem auch der Multiperspektivität ein Platz gegeben, auf welchem sich unterschiedliche Narrative und Zugänge gegenseitig bereichern können.