Welchen Preis des Vergessens muss eine Gesellschaft für ihren Wiederaufbau zahlen? – Life Back Home

Vom 16.-18.12.2016 waren wir Gastgeber für eine interne Fortbildung unseres Kooperationspartners „Life Back Home – Vorträge von jungen Geflüchteten an Schulen“, einem Projekt der NGO The Global Experience e.V.
Mit im Programm: Eine von uns gestaltete Führung in leichter Sprache für die Geflüchteten, die sich als ReferentInnen in dem Projekt engagieren, durch die Dauerausstellung der Villa ten Hompel mit anschließender Diskussion und Feedback. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht ein Praxisleitfaden zum Umgang mit Menschen mit Fluchterfahrung im Rahmen von Gedenkstättenbesuchen.
Wir wollten wissen: Welche Eindrücke haben unsere Gäste von einer Gedenkstättenführung und was sind ihre Zugänge? Wo sehen sie Potentiale in der Vermittlung von NS-Geschichte für Geflüchtete, wo die Grenzen und Probleme? Welche Erkenntnisse können wir daraus für unsere Arbeit ziehen?


Antworten auf diese Fragen werden in unserem Praxisleitfaden publiziert und so sollen an dieser Stelle unsere Gäste selbst zu Wort kommen:

Was mich sehr beeindruckt hat, mit welchen und zu heute ähnlichen Mitteln die Verfolgten und Widerständler versucht haben miteinander zu kommunizieren: Die Verwendung von Codes und Signalen, gefälschte Pässe oder ein letzter Brief mit der Hoffnung, dass ihn die Verwandten noch lesen.

Es muss schlimm für die Überlebenden gewesen sein, dass die Nachkriegsgesellschaft sich kaum um die Täter scherte und sogar noch weniger um die meisten Opfer. Ich frage mich, welchen Preis des Vergessens eine Gesellschaft für ihren ihren Wiederaufbau zahlen muss. Gilt das auch für Syrien oder Jemen, ist das immer so?

Etwas über diese schreckliche Geschichte und die deutsche Erinnerungskultur zu erfahren kann uns helfen, diese Gesellschaft besser zu verstehen. Vielleicht trägt es dazu bei, das Eis zu brechen.

Auf jeden Gast müssen Gedenkstätten sensibel eingestellt sein und sich fragen, welche Informationen angemessen sind – insbesondere wenn die Fluchterfahrung noch sehr frisch ist. Auch wir, die schon Abstand zu unseren Erlebnissen haben, werden uns nach dieser Führung heute Abend wieder fragen wie es unseren Familien geht und uns an die eigene Flucht erinnern.

Geflüchtete als Guides bringen eine völlig andere Perspektive auf die Vermittlung von NS-Geschichte ein und könnten eine Bereicherung für die Gedenkstättenlandschaft darstellen.